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Eine Liebe zwischen Abwehr und Begehren
VON ANDREAS HILLGER, 24.09.10,

Flora (Conny Wolter) erzählt vom
Scheitern ihrer Liebe. (FOTO: SCHÄFFER)
HALLE/MZ. Manchmal entscheidet sich ein ganzes Leben in einer Nacht: Ein
falsches Wort am falschen Ort, eine ungeschickte Geste - und schon mündet
Liebe in eine Katastrophe. So ist es auch Flora mit ihrem Edgar geschehen.
Dabei hätten sie in ihrer Hochzeitsnacht doch nur die Weinflasche nehmen und
zum Strand laufen müssen ...
Es ist eine hauchzarte, fragile Geschichte, die das freie Theater
Schaustelle Halle jetzt im ehemaligen Intecta-Einrichtungshaus in der Großen
Ulrichstraße erzählt. "Zwei" handelt von der Schwierigkeit, eins zu werden
und zu bleiben. Und folgerichtig ist hier - je nach Perspektive - auch ein
Ein- oder Zweipersonenstück zu besichtigen: In der Regie von Stefan Ebeling
und Ulrike Schauer erlebt man Conny Wolter als Solistin. An ihrer Seite aber
spielt Michael Hinze - und der ist entgegen seiner Behauptung - mehr als nur
der Pianist.
Es ist ein Vergnügen, dem Duo bei der Eroberung des grandiosen Raumes
zuzuschauen, dem Bühnenbildner Thomas Blase nur wenige Accessoires
hinzufügt. Das Wichtigste ist die Architektur mit ihren Treppen und
Galerien, mit ihrem weitläufigen Terrain und ihrem blätternden Charme. Hier
setzt die wunderbar wandelbare Conny Wolter die Splitter ihrer Erinnerung
zusammen, hier flirtet sie mit ihrem Publikum, schwankt sie zwischen Abwehr
und Begehren - und hier wird sie am Ende ihrer Träume in eine Wirklichkeit
ohne Edgar zurückfinden. Dabei sind die Übergriffe auf die Zuschauer Teil
des Konzeptes: Flora ermutigt ihre Gäste nicht nur, mit einem Seitenblick
den eigenen Wunschpartner in der Menge zu suchen. Sie rekonstruiert mit
ihnen auch die Phasen ihrer Begegnung und Berührung mit Edgar, so dass sie
zu Komplizen ihrer Geschichte werden.
Ihr wichtigster Partner aber ist jener Mann, der dem teilweise präparierten
Flügel von Anfang an eine Mischung aus schönen und schrägen Tönen entlockt.
Später verwandelt Hinze nicht nur die Kellner-Arbeit am Beistelltischchen in
ein percussionistisches Kabinettstück. Er lässt auch die Kugel des
Schicksals drohend über den Steinboden donnern und steht wie ein begossener
Pudel im Regen unter dem Fenster von Flora.
Neben dem fragmentarischen Bericht, aus dem sich das Scheitern der Liebe
erst allmählich herauskristallisiert, zeigt die tragikomische Inszenierung
auch das Gedächtnis der Körper: Conny Wolter verwandelt kleine
Bewegungsabläufe in choreografische Muster, die sie zitiert und variiert -
und sie tanzt auf der Showtreppe sogar das Unbehagen an einem Kuss als
großes Solo. So sorgt sie dafür, dass es ihrem Publikum selbst in der
Eiseskälte der großen Halle warm ums Herz wird.
Und als das schmerzlich schöne Ende dieser Miniatur erreicht ist, wird man
daran erinnert, dass jede Beziehung zwei Seiten hat. Denn dann spricht Edgar
(Mario Pinkowski) - als Bild aus einem Fernseher.
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